Balis wilder Westen

Balis Westen präsentiert sich mit einem grossen Nationalpark, urigen Wasserbüffelrennen, dem schönsten Meerestempel sowie vielen erstklassigen Surfspots.

 

Landschaftlich wird Balis Westen vom Nationalpark Taman Nasional Bali Barat mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt dominiert. Der balinesische Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von 76‘000 Hektaren und ist einer jener zehn Schutzzonen, die 1984 von der indonesischen Regierung gesetzlich verankert wurden und wo noch die letzten freilebenden Exemplare des seltenen Bali Starling Vogels anzutreffen sind. Neben ca. 300 Vogelarten ist der Nationalpark von vielen weiteren Tierarten wie Rotwild, Affen, Reptilien, Wildkatzen, Eichhörnchen, Wildschweinen, etc. bevölkert. Dichte Wälder und mit Gestrüpp bewachsene Savannen sind vorherrschend. Im äusseren Nordwesten gegen die nahe Küste Javas erstrecken sich dichte Mangrovengürtel. Im Mangrovendickicht von Banyuwedang bilden heisse Quellen ein natürliches Schwefelbad.

 

Eine weitere Perle dieser Gegend ist das kleine vorgelagerte Inselchen Pulau Menjangan, „die Hirscheninsel“, welche ihren Namen wegen des dort sehr verbreiteten Java-Hirsches erhielt. Im Wasser vor der Insel wachsen mehrere hundert Korallenarten, die sich als Korallenbänke 100 bis 150 Meter von der Nordküste ins Meer hinein erstrecken und dann an einer spektakulären Riffwand bis in 60 Meter Tiefe steil abfallen. Riffhaie, Schildkröten, Rochen und andere Vertreter der Unterwasserwelt machen diese Stelle zum besten Tauch- und Schnorchelrevier Balis.

 

Der noch dünn besiedelte Westen liegt abseits der bekannten Touristenrouten und ist für Naturliebhaber nicht zuletzt wegen der Nähe der Nationalparks in Javas Osten (jenseits der Balistrasse) ein lohnendes Ziel.

 

Die Gegend rund um Negara, der Hauptstadt des Regierungsbezirkes Jembrana, wurde kulturell vor allem von den aus Java eingewanderten Muslimen geprägt.

 

Negara war noch in den 60er Jahren drei Tagesreisen von Denpasar entfernt und Jembrana ist deshalb bis heute für viele Balinesen ein fremdes Stück Land geblieben. Jimbar Wana, der ältere Name von Jembrana, bedeutet übrigens „grosser Wald“.

 

In Balis wildem Westen fanden nicht nur Java-Rinder ein grünes Exil, sondern er bot auch vielen Vertretern ungeliebter Konfessionen eine Zuflucht, welche dort gezwungenermassen einen Neuanfang als Pioniere begannen: Bei Melaya zweigen von der Hauptstrasse zwei Nebenstrecken zur protestantischen Gemeinde von Blimbingsari und der katholischen Gemeinde von Palasari ab. Je eine Kirche zeugt hier von der anhaltenden Treue zu dem Christengott. Auf balinesische Bautradition wurde beim Gotteshaus deswegen jedoch nicht verzichtet. Die zwei Dörfer sind in eine wunderschöne Landschaft aus leuchtendgrünen Reisterrassen, vielen farbigen und exotischen Blumen und dichten Wäldern eingebettet. Die Strassen sind sauber und viele schmucke kleine Häuschen erfreuen das Auge der Bewohner und Vorbeireisenden.

 

Auf fünf Hindu-Tempel zählt man in Jembrana etwa eine Moschee. Denn bis in die 20er Jahre hinein war dieser Landstrich als Eldorado für Polit- oder Justizflüchtlinge aus ganz Indonesien bekannt. Zusätzlich wanderten wegen der geografischen Nähe Jembranas zur Nachbarinsel viele muslimische Fischer aus Java und Sulawesi ein sowie Kolonisten im Rahmen des grossangelegten staatlichen Umsiedelungsprojektes „Transmigrasi“.

 

In Jembrana sind die von Java und Madura beeinflussten Büffelrennen von Negara, besser bekannt als „Mekepung“, besonders berühmt.

 

Zu den weiteren Besonderheiten Jembranas gehört auch der Riesentrommel-Wettstreit „Kendang Mebarung“. Drei Meter lange Trommeln bestreiten dabei ein herausforderndes musikalisches Duett. Noch berühmter ist das „Gamelan Jegog“. Dieses Orchester besteht aus vierzehn verschiedenen Bambusinstrumenten. Manche davon erinnern an überdimensionale Xylophone. Zu den dumpf dröhnenden Melodien der tieferen Instrumente gesellen sich höher angesetzte Solos und die subtilen Variationen der Bambusflöte.

 

Folgt man dem Küstenverlauf gegen Süden, so folgt man den Spuren des berühmtesten aller Einwanderer, des javanischen Hindu-Priesters Danghyang Nirartha. Die Legende erzählt, dass Nirartha damals Mitte des 16. Jahrhunderts lediglich in einer Kürbisschale von Java nach Bali übersetzte, um wenigstens Bali vor dem Ansturm der muslimischen Religion zu retten. Auf seiner Reise der Küste Westbalis entlang entstanden auch die wichtigsten spirituellen Sehenswürdigkeiten:

 

Gleich neben der Kürbisschalen-Landestelle Prancak liegt der aus leuchtend weissem Korallengestein errichtete Tempel Pura Gede Ancak. Dann, bei Yeh Embang, führt eine kleine Abzweigung durch küstennahe Reisfelder zum vielbesuchen Pura Luhur Rambut Siwi. An einem Steilhang am Ende der Reisfelder erstreckt sich eine Tempelanlage aus insgesamt drei Tempeln. Unten wuchtet die donnernde Brandung, und die hohen und breit gezogenen Wellen verebben schliesslich an einem kilometerlangen, einsamen Sandstrand. Nach der Insider-Surf-Beach Medewi und den schönen Stränden Balian, Soka, Pasut und Klating erreichte der Priester nach langer Wanderung die windige Küste zwanzig Kilometer westlich von Denpasar und hielt dort seine Ruhepause. Heute findet sich an der Stelle, mitten auf der Klippe, einer der sechs heiligsten Tempel Balis: Tanah Lot. Tanah Lot ist besonders sehenswert bei Sonnenuntergang, den die rotgolden glühende Scheibe versinkt genau hinter dem Tempel am Horizont.